Sonntag, 22. Mai 2011

Kennst du solche Tage?


Kennst du solche Tage?
So Tage, an denen alles schief geht, was nur schief gehen kann?
Du hast Streit mit dem Liebsten. Aus einem Missverständnis wird ein Hin und Her und ehe man sich versieht ist es eine kleine Katastrophe. Dein Urlaub wird nicht genehmigt. Du wolltest doch nur ein paar Tage frei, weil du die Konzertkarte, für das Konzert, auf das du dich schon geschätzt dein halbes Leben freust, schon lange gekauft hast. Und dann erhältst du ein „Leider nicht möglich“ ohne Angaben von Gründen. Du gehst ohne Schirm aus dem Haus und gerade, wenn du um die Ecke bist, beginnt es zu regnen. Natürlich wirst du pitschnass, die Jeans klebt an den Beinen, die Haare durchnässt. Natürlich musst du den lieben langen Tag in deinen nassen Klamotten herum laufen. Fehlt nur noch, dass dein geliebtes Haustier vor deinen Augen stirbt, überfahren von einem Auto oder einfach an Altersschwäche.
Und alles was du dich fragst ist: ist heute Freitag, der 13. oder was, verdammt?

Ja, solche Tage gibt es, doch meistens ist es gar nicht so schlimm, wie alles scheint.
Der Konflikt mit dem Liebsten ist gar nicht so tragisch, sogar lächerlich einfach. Sobald du ihn erreichst und ihr eine Chance habt zu reden, merkst du, dass du dir umsonst den Kopf zerbrochen hast und sich das Problem in Luft auflöst. Ein kurzes Gespräch mit dem Arbeitgeber sorgt dafür, dass du den Tag doch noch wie geplant frei bekommst und du das Konzert doch besuchen kannst. Und deine Klamotten sind zwar nass, aber das gibt dir einen guten Grund, dir etwas Neues zu ershoppen und wenn du dann auch noch einen kleinen Schnupfen von deinem nassen Abenteuer davon trägst, kannst du zumindest ein paar Tage krank machen und im Bett verbringen. Außerdem gibt es dir die Gelegenheit endlich mal wieder von Laterne zu Laterne zu hüpfen und „I’m singing in the rain“ zu singen. Auf jeden Regen folgt außerdem ein Sonnenschein, der die Haare wieder trocknet. Und ernsthaft: ich habe noch nicht einmal ein Haustier! Zudem ist nicht Freitag, der 13. sondern eher Samstag, der 14., also Wochenende, immer ein Grund um fröhlich zu sein.
Alles nur halb so schlimm. Auch wenn alles schief geht und du denkst die Welt geht unter, sie tut es doch nicht, zumindest nicht heute. Also immer dran denken: nicht alles wird so heiß gegessen wie es gekocht wird, auf jedes Down folgt ein Up und immer Kopf hoch, sonst fällt die Krone herunter!

Montag, 2. Mai 2011

Was sich in einem halben Jahr ändern kann…


Sechs Monate, vierundzwanzig Wochen, einhundertachtundsechzig Tage, viertausendzweiunddreißig Stunden, fünfmillionenachthundertundsechstausend Minuten, dreihundertachtundvierzigmillionendreihundertsechzigtausend Sekunden. Das sind dreihundertachtundvierzigmillionendreihundertsechzigtausend Augenblicke, dreihundertachtundvierzigmillionendreihundertsechzigtausend Möglichkeiten, sich für immer in dein Gedächtnis einzubrennen.
In den letzten sechs Monaten hat sich die Welt zur Hälfte um die Sonne gedreht. Es gab geschätzte sechs Mal einen Wechsel zwischen Voll- und Neumond.
Weihnachten kam und ging, das Jahr endete, ein Neues begann.
Der Baum, der bei dir vor dem Fenster steht, der vor sechs Monaten noch kahl war, wurde grüner und grüner. Mittlerweile ist er voller Blätter und versperrt den Blick auf das Gebäude gegenüber. Und verbirgt mich, wenn ich im Schlafzimmer zur Musik tanze. Die Stelle zwischen den beiden Fahrstreifen auf der Straße vor deinem Haus, die immer so verlassen war, zierten bis vor kurzem noch Narzissen. Leuchtend gelbe Farbkleckse zwischen all dem Grau und dem Brummen der Autos. Die Luft in den letzten sechs Monaten wurde wärmer. Der eisige Wind wurde milder und pustet uns jetzt warm entgegen, wenn wir am See spazieren gehen. Vor sechs Monaten haben wir unsere Abende auf der Couch mit einem Film verbracht und uns in die Decken gekuschelt. Heute schlendern wir über Frühlingsfeste. Mit dem Geruch von Zuckerwatte und Crepes in der Luft. Ein Lebkuchenherz um den Hals.
Vor sechs Monaten stand ich im tristen Grau des Morgens auf und setzte mich in den Zug, um zu einer Vorlesung zu fahren. Heute fahr ich im Blau dem Himmels über Wiesen und Felder zu dir. Wir schlenderten behandschuht über den Weihnachtsmarkt und ließen uns von dem Duft von gebrannten Mandeln und Glühwein umkreisen. Mit roten Wangen und eiskalten Nasen liefen wir nach Hause, um uns an der warmen Heizung und einer Tasse Tee zu wärmen. Jetzt sitzen wir auf einer Bank am Dom und essen ein Eis an einem lauen Frühlingsabend. Die Lichter der Dämmerung hüllen uns ein, während wir versunken durch die abendliche Stadt flanieren.  
Vor sechs Monaten hat sich mein Leben begonnen sich zu verändern. Vor vierundzwanzig Wochen habe ich gelernt, mich wieder fallen zu lassen. In den letzten einhundertachtundsechzig Tagen wurde ich vom Student zum Absolvent. In viertausendzweiunddreißig Stunden wechselten meine Pullover zu T-Shirts. Vor fünfmillionenachthundertundsechstausend Minuten haben wir eine Entscheidung getroffen. Seit dreihundertachtundvierzigmillionendreihundertsechzigtausend Sekunden weiß ich, was es heißt, geliebt zu werden.