Montag, 2. Mai 2011

Was sich in einem halben Jahr ändern kann…


Sechs Monate, vierundzwanzig Wochen, einhundertachtundsechzig Tage, viertausendzweiunddreißig Stunden, fünfmillionenachthundertundsechstausend Minuten, dreihundertachtundvierzigmillionendreihundertsechzigtausend Sekunden. Das sind dreihundertachtundvierzigmillionendreihundertsechzigtausend Augenblicke, dreihundertachtundvierzigmillionendreihundertsechzigtausend Möglichkeiten, sich für immer in dein Gedächtnis einzubrennen.
In den letzten sechs Monaten hat sich die Welt zur Hälfte um die Sonne gedreht. Es gab geschätzte sechs Mal einen Wechsel zwischen Voll- und Neumond.
Weihnachten kam und ging, das Jahr endete, ein Neues begann.
Der Baum, der bei dir vor dem Fenster steht, der vor sechs Monaten noch kahl war, wurde grüner und grüner. Mittlerweile ist er voller Blätter und versperrt den Blick auf das Gebäude gegenüber. Und verbirgt mich, wenn ich im Schlafzimmer zur Musik tanze. Die Stelle zwischen den beiden Fahrstreifen auf der Straße vor deinem Haus, die immer so verlassen war, zierten bis vor kurzem noch Narzissen. Leuchtend gelbe Farbkleckse zwischen all dem Grau und dem Brummen der Autos. Die Luft in den letzten sechs Monaten wurde wärmer. Der eisige Wind wurde milder und pustet uns jetzt warm entgegen, wenn wir am See spazieren gehen. Vor sechs Monaten haben wir unsere Abende auf der Couch mit einem Film verbracht und uns in die Decken gekuschelt. Heute schlendern wir über Frühlingsfeste. Mit dem Geruch von Zuckerwatte und Crepes in der Luft. Ein Lebkuchenherz um den Hals.
Vor sechs Monaten stand ich im tristen Grau des Morgens auf und setzte mich in den Zug, um zu einer Vorlesung zu fahren. Heute fahr ich im Blau dem Himmels über Wiesen und Felder zu dir. Wir schlenderten behandschuht über den Weihnachtsmarkt und ließen uns von dem Duft von gebrannten Mandeln und Glühwein umkreisen. Mit roten Wangen und eiskalten Nasen liefen wir nach Hause, um uns an der warmen Heizung und einer Tasse Tee zu wärmen. Jetzt sitzen wir auf einer Bank am Dom und essen ein Eis an einem lauen Frühlingsabend. Die Lichter der Dämmerung hüllen uns ein, während wir versunken durch die abendliche Stadt flanieren.  
Vor sechs Monaten hat sich mein Leben begonnen sich zu verändern. Vor vierundzwanzig Wochen habe ich gelernt, mich wieder fallen zu lassen. In den letzten einhundertachtundsechzig Tagen wurde ich vom Student zum Absolvent. In viertausendzweiunddreißig Stunden wechselten meine Pullover zu T-Shirts. Vor fünfmillionenachthundertundsechstausend Minuten haben wir eine Entscheidung getroffen. Seit dreihundertachtundvierzigmillionendreihundertsechzigtausend Sekunden weiß ich, was es heißt, geliebt zu werden.

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